Data Hub Tourismus: Zentrale Datenbasis für mehr Effizienz und Qualität
Mit dem Data Hub Tourismus entsteht im Projekt DIANA-T ein weiteres zentrales Element der neuen digitalen Tourismusinfrastruktur.
Die Plattform bündelt, harmonisiert und stellt touristische Stammdaten zu POIs, Touren und Events aus verschiedenen Quellen bereit – über Regionen und Zuständigkeiten hinweg.
Ziel ist es, doppelte Pflegeaufwände zu reduzieren, Datenqualität zu steigern und Destinationen, Anbietern und Gästeneine gemeinsame, verlässliche Datenbasis zu bieten.
Damit adressiert der Data Hub ein Kernproblem des Tourismus: viele parallele Systeme, unterschiedliche Standards und isolierte Dateninseln.
Durch die Vereinheitlichung von Daten schafft er nicht nur Effizienz in der Pflege, sondern auch neue Möglichkeiten für digitale Services und datenbasierte Wertschöpfung.
Im Interview erläutern Marcel Tischerund Jan Hoffmann, wie der Data Hub funktioniert, warum Datenaustausch im Tourismus so wichtig ist und welche Rolle er im zukünftigen touristischen Datenraum spielt.
Was genau ist der Data Hub und welche Probleme in der touristischen Datenpflege adressiert ihr mit diesem Konzept?
Der Data Hub Tourismus ist eine zentrale Plattform, die Stammdaten zu Sehenswürdigkeiten, Touren und Veranstaltungen aus verschiedenen Quellen bündelt und vereinheitlicht. Er löst Probleme redundanter und uneinheitlicher Datenpflege über Regionen hinweg und reduziert so den Aufwand für DMOs und Anbieter. Gleichzeitig profitieren Gäste von konsistenteren und vollständigeren Informationen.
Warum ist eine gebietsübergreifende Harmonisierung von Daten so relevant, gerade für Regionen mit geteilten touristischen Routen?
Gäste denken in Erlebnissen, nicht in Verwaltungsgrenzen- doch genau hier liegen viele Hürden der touristischen Datenpflege. Weil DMOs oft an formalen oder geografischen Grenzen enden, erfassen mehrere Organisationen dieselben Informationen doppelt. Das führt zu hohem Aufwand, unterschiedlichen Datenständen und unnötiger Mehrarbeit. Eine gemeinsame Datenbasis über Regionen hinweg schafft hier Abhilfe und ermöglicht konsistente Informationen für Gäste und Betriebe.
Welche konkreten Vorteile bringt die Plattform für Destinationen, Gäste und Anbieter?
Der Data Hub steigert die Qualität und Verfügbarkeit touristischer Daten. DMOs und Anbieter können auf eine gemeinsame Datenquelle zugreifen und müssen Informationen nicht mehrfach pflegen. Das spart Zeit, verbessert die Zusammenarbeit und eröffnet neue digitale Services. Für Gäste entstehen nahtlose, verlässliche Informationen, z.B.bei der Planung von Touren über Regionsgrenzen hinweg.
Wie funktioniert die Identifikation und Harmonisierung von Datensätzen?
Zur Identifikation von Datensätzen wird der Einsatz von Uniform Resource Identifiers (URI) erforscht. Das Ziel dabei ist es mit der URI jedem Datensatz eine eindeutige Identifizierung im Quell- und Zielsystem zur gegenseitigen Erkennung zu geben. Im Data Hub werden die Stammdaten aus verschiedenen Datenquellen darauf basierend aggregiert.
Welche Schnittstellen oder Datenmodelle sind gerade in der Erprobung und was wird dabei mit Fraunhofer-Institut konkret entwickelt?
Die im Data Hub aus verschiedenen Quellen zu aggregierenden Daten sollen basierend auf etablierten Datenmodellen wie Schema.org und den touristischen Datenstandard der Open Data Tourism Alliance harmonisiert werden. Die Aufgabe des Fraunhofer-Instituts liegt neben dem Betrieb des Datenraums darin die Daten aus verschiedenen Quellsystemen in den Datenraum zu integrieren und zusammen zu führen sowie Connectoren für die Nutzung der Datensätze aus dem Datenraum zu entwickeln. Bei den Datenbereitstellern kann es dabei sicher zu unterschiedlichen Schnittstellenformaten kommen (z.B. xml-Format), die angebunden werden müssen. In der Datenbereitstellung sollen möglichst etablierte Schnittstellenformate eingesetzt werden (Bsp.: json).
Was ist aus eurer Sicht nötig, damit der Data Hub als Standard für touristische Dateninfrastrukturen etabliert werden kann?
Um den Data Hub als Standard für touristische Dateninfrastrukturen etablieren zu können, ist eine thematisch und geografisch möglichst umfängliche Abdeckung der verfügbaren Daten mit dem Angebot notwendig. Nur wenn der Data Hub für möglichst viele Datenbedarfe beantworten kann, wird er für die Arbeit in den DMOs als auch für Gäste einen relevanten Service darstellen. Dafür ist es von hoher Bedeutung möglichst viele Datenlieferanten mit relevanten Dateninventaren zu gewinnen.
Welche Herausforderungen bestehen beim Austausch und der Lizenzierung von Daten?
Die größte Herausforderung beim Austausch von Daten liegt nach wie vor in den Nutzungsrechten, insbesondere bei den Datenbestandteilen mit einer sogenannten schöpferischen Höhe (Bsp.: Bilder, Texte, etc.). Als eine Lösung für die Herausforderung hat sich im Tourismus die Auszeichnung der Daten mit den Open Data Lizenzen von Creative Commons etabliert, wie sich auch für den Open Data Knowledge Graph der Deutschen Zentrale für Tourismus und der Landestourismusorganisationen die Grundlage sind. Der Vorteil dieser weltweit etablierten Lizenzen ist, dass die Nutzbarkeit der Daten durch die am Datensatz hängende Lizenz für Jeden eindeutig geregelt sind. Als eine Herausforderung der Open Data Lizenzen hat sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert, dass Urheber bei der gemeinfreien Lizensierung ihrer Fotos und Texte erhöhte Kosten aufrufen, was sich nicht alle DMOs leisten können. Wir wollen vor dem Hintergrund erforschen, in wie fern es möglich ist die auf dem deutschen Urheberrecht basierenden Nutzungsrechte in einem maschinenlesbaren Format abzubilden. Wir wollen damit nicht in Konkurrenz zu den Open Data Aktivitäten treten, die wir selbst ja auch unterstützen, sondern die Vorteile der Maschinenlesbarkeit mit den vorhandenen Nutzungsrechten verbinden, um bisher nicht gehobene Datenschätze zusätzlich zu öffnen.
Wie unterstützt der Data Hub das Gesamtziel von DIANA-T und welche Rolle soll er im zukünftigen touristischen Datenraum spielen?
Der Data Hub bildet das Fundament für eine dezentrale, vernetzte Tourismusdateninfrastruktur. Er schafft die Basis, damit kleine und mittlere Unternehmen Daten effizient nutzen und eigene digitale Angebote entwickeln können. Damit leistet er einen wesentlichen Beitrag zur datengetriebenen Wertschöpfung im Sinne von DIANA-T.
