Mobility Hub: – Interview mit Jan-Uwe Riest

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Mit dem Mobility Hub stellt DIANA-T einen weiteren Prototypen für eine vernetzte und nachhaltige Tourismusinfrastruktur vor. Der Ansatz adressiert eine zentrale Herausforderung vieler ländlicher Regionen: flexible, gemeinschaftlich nutzbare und klimafreundliche Mobilitätsangebote.
Auf Gut Boltenhof wird exemplarisch gezeigt, wie sich verschiedene Verkehrsmittel, von E-Bikes über PKW bis hin zu Mitfahrgelegenheiten, digital verknüpfen und für unterschiedliche Nutzergruppen zugänglich machen lassen.
Ziel ist es, Mobilität neu zu denken- als integralen Bestandteil einer zukunftsfähigen touristischen Infrastruktur, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinander verbindet.
Im Interview erläutert Jan-Uwe Riest, wie der Mobility Hub funktioniert, welche Rolle der Datenraum spielt und warum das Konzept auch über Gut Boltenhof hinaus Vorbildcharakter hat.

  1. Wie ist die Idee zum Mobility Hub entstanden und welches konkrete Problem adressiert ihr damit im ländlichen Raum?
    Der Mobility Hub reagiert auf die Mobilitätslücke im ländlichen Raum, wo öffentliche Verkehrsmittel selten und Entfernungen groß sind. Mit einer digitalen Sharing-Plattform werden verschiedene Fahrzeugtypen,  von E-Bikes bis zu PKW, gemeinsam nutzbar. Das stärkt die Flexibilität vor Ort, entlastet Ressourcen und macht Regionen wie Gut Boltenhof für Gäste wie Einheimische gleichermaßen attraktiver.

2. Was unterscheidet euren Ansatz von anderen Mobilitätsangeboten und was bedeutet in diesem Zusammenhang ein “regionaler Mobilitätshub”?
Während städtische Sharing-Angebote auf hohe Nutzungsfrequenzen setzen, basiert der Mobility Hub auf gemeinschaftlicher Nutzung. Private, touristische und kommunale Fahrzeuge werden in einem System gebündelt, so wird Mobilität auch dort möglich, wo sich klassische Modelle wirtschaftlich kaum tragen.

3. Wie könnte die Nutzung des Mobility Hubs im Alltag konkret aussehen -etwa für Gäste, Einheimische oder Gastgeber in touristischen Regionen?
Der Mobility Hub schafft ein flexibles Mobilitätsnetzwerk, das Alltags- und Freizeitwege verbindet. Egal ob Tourist, Anwohner oder Mitarbeitender, alle profitieren von einfachen Buchungswegen und klar definierten Abstellpunkten in der Region. So entsteht ein praktisches, gemeinschaftlich genutztes Mobilitätssystem.

4. Welche Rolle spielt der Datenraum bei diesem Prototyp und woran arbeitet ihr gerade gemeinsam mit dem Fraunhofer-Team?
Der Datenraum bildet die technologische Grundlage des Mobility Hubs. Er ermöglicht die sichere Verwaltung von Fahrzeugdaten, die Integration in eine gemeinsame Plattform und die Darstellung in einer nutzerfreundlichen App. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Team wird an einer stabilen und skalierbaren Systemarchitektur gearbeitet.

5. Welche Daten wären für die Funktionsweise entscheidend und was ist aktuell die größte Herausforderung bei der Anbindung an den Datenraum?
Wichtig sind vor allem Informationen zum Fahrzeugtyp, zur Verfügbarkeit, zu Nutzungsbedingungen und zur Übergabe. In späteren Ausbaustufen kommen GPS-Daten, Zugangssysteme oder Zahlungsschnittstellen hinzu. Die größte Herausforderung liegt aktuell in der rechtssicheren und gleichzeitig nutzerfreundlichen Anbindung an den Datenraum – insbesondere bei Themen wie Datenschutz, Haftung und der Automatisierung von Prozessen.

6. Was braucht es aus eurer Sicht, damit der Mobility Hub langfristig in der Fläche funktioniert und wie kann man sich als Region oder Anbieter einbringen?
Es braucht die Bereitschaft von Bewohnern, Gastgebern und Betrieben, Fahrzeuge zu teilen und Teil des Netzwerks zu werden. Kommunen und touristische Anbieter können den Hub aktiv unterstützen, indem sie ihn in ihre Infrastruktur und Angebote einbinden. Je mehr Partner teilnehmen, desto attraktiver wird das System – für alle.

7. Inwiefern verändert euer Prototyp die Perspektive auf Mobilität als Teil touristischer Infrastruktur  und warum ist das gerade im ländlichen Raum so zentral?
Mobilität ist mehr als nur die Anreise – sie ist ein wesentlicher Teil des Urlaubserlebnisses. Ein digitaler, nachhaltiger Mobility Hub macht es Gästen möglich, die Region spontan, flexibel und umweltfreundlich zu erkunden. Für ländliche Räume ist das entscheidend, weil es ihre Attraktivität als Reiseziel deutlich erhöht und gleichzeitig Einheimischen neue Optionen eröffnet. Mit dem Ausbau von Gut Boltenhof wollen wir unseren aktuellen und zukünftigen Anwohnern mit dem Mobility Hub eine Art von Mobilitätsgarantie anbieten.

8. Was nehmt ihr aus der Zusammenarbeit im DIANA-T-Konsortium für die weitere Entwicklung mit -fachlich, methodisch oder inhaltlich?
Die Zusammenarbeit im DIANA-T-Konsortium zeigt, wie vielfältig datenbasierte Anwendungen im Tourismus sein können. Der Austausch mit Forschung und Praxispartnern liefert wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Mobility Hubs – fachlich ebenso wie methodisch.