Mit dem Mobility Hub hat DIANA-T bereits früh einen Ansatz vorgestellt, der Mobilität im ländlichen Raum gemeinschaftlich und digital organisierbar denkt. Während der erste Pretotype vor allem mögliche Nutzungsszenarien und die grundsätzliche Idee einer regional vernetzten Mobilität skizzierte, steht inzwischen die konkrete Umsetzung im Mittelpunkt der Weiterentwicklung.
Federführend weiterentwickelt wird der Prototyp gemeinsam von Jan-Uwe Riest (Gut Boltenhof) sowie Laura König und Jan Hoffmann (TMB Tourismus-MarketingBrandenburg GmbH). Christopher Pack (Fraunhofer FIT) ist für die technische Umsetzung des Prototyps insbesondere im Zusammenhang mit der Datenraumintegration verantwortlich.
Die vorgelagerte PWA wurde von den Vorgenannten konzeptioniert und von Andrey Shebentovsky (difgl) umgesetzt. Im Zusammenspiel der Beteiligten ist aus einer konzeptionellen Idee schrittweise eine prototypische Anwendung entstanden, die reale Mobilitätsangebote, erste Buchungsprozesse und konkrete Datenflüsse integriert.
Im aktuellen Entwicklungsstand konzentriert sich der Mobility Hub insbesondere auf die zeitbasierte Leihe von Fahrrädern im Kontext von Gut Boltenhof. Dort wird derzeit erprobt, wie unterschiedliche Mobilitätsangebote gemeinsam verwaltet und über eine prototypische Nutzeroberfläche erprobt werden können. Im Austausch mit den Prototypenverantwortlichen wird dabei deutlich, dass sich die Entwicklungsarbeit inzwischen deutlich stärker mit konkreten organisatorischen und technischen Fragen beschäftigt als noch in der ersten Konzeptphase.
„Mit dem Prototypenkonnte erstmals gezeigt werden, dass mehrere Anbieter ihre Inventardaten erfolgreich in einem gemeinsamen System verwalten können.“ Erst dadurch wurde sichtbar, welche Informationen tatsächlich benötigt werden, wie Mobilitätsangebote im Datenmodell definiert werden müssen und welche Anforderungen entstehen, wenn unterschiedliche Anbieter gemeinsam in einem System arbeiten. Der eigentliche Mehrwert des Prototyps liegt dabei weniger in einem einzelnen Mobilitätsangebot als in der gemeinsamen Organisation vieler kleiner Angebote, die bislang meist voneinander getrennt funktionieren. „Viele kleine, bislang voneinander getrennte Angebote können gemeinsam einen relevanten interoperablen Service gestalten.“
Genau darin sehen die Projektpartner einen wichtigen Ansatz für Regionen, in denen klassische Mobilitätsangebote wirtschaftlich oft nur schwer abbildbar sind. Während im Pretotype vor allem die Sichtbarkeit von Mobilitätsangeboten im Vordergrundstand, geht es inzwischen zunehmend um Fragen der technischen und organisatorischen Integration.
Unterschiedliche Preise, Nutzungsbedingungen, Rückgabeorte oder Buchungslogiken müssen so zusammengeführt werden, dass sie sowohl für Anbieter als auch für Nutzer*innen praktikabel bleiben. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen, die in der ersten Konzeptphase noch kaum absehbar waren. Sobald mehrere Anbieter mit unterschiedlichen Systemen zusammenarbeiten, steigt die Komplexität deutlich. Wie etwa bei Fragen der Verantwortlichkeiten, der Verfügbarkeiten oder der Rückgabeprozesse. Auch Nutzungsszenarien wie falsch abgestellte Fahrräder oder flexible A-B-Strecken erfordern zusätzliche organisatorische und technische Lösungen, beispielsweise durch GPS-Integration oder Foto-Nachweise.
Parallel dazu arbeiten die Projektpartner an der Weiterentwicklung der Buchungs- und Inventarlogik sowie an der Anbindung weiterer Anbieter. Ziel ist es, unterschiedliche Mobilitätsangebote künftig über gemeinsame Datenstandards zusammenführen zu können, ohne dass einzelne Anbieter ihre Eigenständigkeit oder die Kontrolle über ihre Daten verlieren. Ein wichtiger Entwicklungsschritt war dabei der Moment, „als aus der ursprünglichen Idee erstmals ein konkreter Buchungs- und Nutzungsprozess wurde“. Durch die Verbindung realer Fahrräder, realer Anbieter und einer Endnutzer-Oberfläche wurde erstmals praktisch erprobt, wie sich auch kleinere Mobilitätsangebote technisch und organisatorisch zu einem gemeinsamen regionalen System verknüpfen lassen.
Erste Erprobungen finden inzwischen im realen Betrieb auf Gut Boltenhof gemeinsam mit Gästen, Mitarbeitenden und regionalen Partnern statt. Gleichzeitig zeigt sich, dass für eine langfristige Anwendung nicht nur technische Lösungen notwendig sind, sondern auch regionale Betreiberstrukturen, gemeinsame Standards und eine ausreichend große Zahl beteiligter Anbieter. Der Mobility Hub steht damit aktuell an einem Punkt, an dem aus einer konzeptionellen Idee immer mehr ein praktisch erprobter Anwendungsansatz wird.
Mit der Integration realer Nutzungsszenarien verschiebt sich der Fokus nun deutlich in Richtung Anwendung, Skalierbarkeit und langfristiger organisatorischer Tragfähigkeit.
Für weiterführende Informationen ist der Prototyp im aktuellen Stand im Bereich „Publikationen“ auf unserer Website verfügbar.
Text und Redaktion: Sina Heider
