Stand: 02.06.26 SH
Mit dem Digitalen Brustbeutel hat DIANA-T bereits früh die Frage aufgeworfen, wie Gäste ihre persönlichen Daten entlang der Customer Journey selbstbestimmt verwalten und gezielt mit touristischen Anbietern teilen können. Der Pretotype beschrieb hierfür erste Nutzungsszenarien, Datenflüsse und Rollenmodelle – vom Hotel-Check-in bis hin zu personalisierten Angeboten. Im Mittelpunkt stand dabei die Idee einer digitalen Brieftasche/Brustbeutel, in der Gäste ihre relevanten Daten selbst verwalten und bei Bedarf freigeben können.
In der aktuellen Entwicklungsphase steht die Konkretisierung dieser Idee im Vordergrund. Federführend vorangetrieben wird der Prototyp von Klaus Schön und Jochen Göltenboth (AVS), Ralf Vogel (Land in Sicht) sowie Benedikt Arnold (Fraunhofer FIT). Im Zusammenspiel dieser Partner ist aus den ursprünglichen Konzepten und Prozessbeschreibungen ein interaktiver Prototyp samt Smartphone-App entstanden, anhand dessen zentrale Abläufe erstmals konkret nachvollzogen werden können.
Die technologische Grundlage des am Fraunhofer FIT entwickelten Prototyps bildet die Datenraum-Technologie, die im Projekt um eine zusätzliche Service-Schicht erweitert wurde. Damit untersucht der Digitale Brustbeutel nicht nur einen konkreten touristischen Anwendungsfall, sondern zeigt auch, dass Datenraumtechnologien – sinnvoll integriert und erweitert – nicht nur Unternehmen, sondern auch Endnutzer*innen eine sichere und selbstbestimmte Nutzung ihrer Daten ermöglichen.
Der aktuelle Entwicklungsstand konzentriert sich auf einen Anwendungsfall, der bereits im Pretotype eine zentrale Rolle spielte: den digitalen Hotel-Check-in. Während dieser zuvor als Konzept beschrieben wurde, lässt sich der Ablauf inzwischen anhand des Prototyps durchspielen – von der Anfrage bestimmter Daten über deren selektive Freigabe bis hin zur Übermittlung an den Leistungsträger.
Im Austausch mit den Prototypenverantwortlichen wird deutlich, dass genau hierin einer der wichtigsten Entwicklungsschritte liegt. „Durch den Schritt vom Pretotype zum Prototyp konnten wir erstmals validieren, dass die im Konzept vorgesehenen Interaktionen und Datenflüsse für Nutzer tatsächlich verständlich und nachvollziehbar sind.“ Während viele Annahmen zuvor auf Skizzen, Prozessdarstellungen und theoretischen Abläufen basierten, konnten diese nun anhand eines interaktiven Prototyps überprüft werden.
Der konkrete Nutzen des Konzepts zeigt sich insbesondere dort, wo heute noch zahlreiche manuelle Prozesse stattfinden. „Meldescheine oder Check-in-Formulare müssen nicht mehr händisch ausgefüllt werden. Dadurch sinkt der Aufwand für Gäste und Mitarbeitende deutlich.“ Ziel ist es, wiederkehrende Dateneingaben zu reduzieren und Abläufe für Gäste wie auch für Anbieter zu vereinfachen.
Ein wichtiger Moment in der Entwicklung war erreicht, als der ursprünglich nur konzeptionell beschriebene Hotel-Check-in erstmals als durchgängiger Prozess im Prototyp erlebbar wurde. „Mit dem Prototyp konnten wir diesen Prozess erstmals konkret durchspielen: Nutzer wählen Daten aus, geben diese gezielt frei und lösen damit einen touristischen Service, in unserem Fall den Hotel-Check-in, aus.“
Mit dem aktuellen Entwicklungsstand rücken insbesondere Fragen der konkreten Umsetzung stärker in den Vordergrund. Dazu gehören die Gestaltung der Nutzerinteraktion, die Auswahl relevanter Daten, die sichere Übertragung von Informationen sowie die Anbindung bestehender Systeme. Auch die Frage, welche Informationen für einen bestimmten Anwendungsfall tatsächlich benötigt werden und wie diese transparent angefragt werden können, wird weiter konkretisiert.
Eine zentrale Rolle spielt dabei weiterhin die Datensouveränität der Nutzer*innen. Ziel bleibt es, dass Anbieter ausschließlich auf die Informationen zugreifen können, die für den jeweiligen Prozess erforderlich sind und nur mit Zustimmung des Gastes.
Gleichzeitig zeigen sich auf dem Weg zur weiteren Entwicklung noch Herausforderungen. Eine wesentliche Voraussetzung für die sichere digitale Identifikation von Nutzer*innen ist die Anbindung eines hoheitlichen Authentifizierungsverfahrens. Die Projektpartner setzen hierfür auf die EUDI Wallet, die sich aktuell noch in einer Pilotphase befindet. Die Anbindung dieser Lösung ist daher ein zentraler Bestandteil der aktuellen Weiterentwicklung.
Auch die Einbindung touristischer Leistungsträger bleibt ein wichtiges Thema. Damit Daten über die vorgesehene Datenraum-Struktur ausgetauscht werden können, müssen Anbieter zunächst an diese Infrastruktur angebunden werden. Gleichzeitig bleibt die Aufgabe, die Funktionsweise digitaler Identitäten und den Umgang mit personenbezogenen Daten für Nutzer*innen verständlich und nachvollziehbar zu gestalten. „Viele Menschen sind noch nicht mit dem Konzept einer digitalen Identität vertraut. Es muss verständlich vermittelt werden, welche Daten gespeichert werden, wer darauf zugreifen kann und wie die Datensouveränität gewährleistet wird.“
Aktuell arbeiten die Projektpartner insbesondere an der Anbindung der EUDI Wallet sowie an der Weiterentwicklung der Nutzeroberfläche. Darüber hinaus wird untersucht, welche weiteren touristischen Anwendungsfälle neben dem Hotel-Check-in künftig sinnvoll umgesetzt werden können. Denn langfristig wird auch entscheidend sein, welchen konkreten Nutzen Nutzer*innen über verschiedene Stationen ihrer Reise hinweg aus einem solchen Ansatz ziehen können.
Der aktuelle Entwicklungsstand zeigt, dass sich die ursprünglich konzeptionell beschriebenen Abläufe inzwischen in einem interaktiven Prototyp nachvollziehen und überprüfen lassen. Die weitere Entwicklung konzentriert sich nun insbesondere auf die Anbindung der EUDI Wallet, die Einbindung weiterer Leistungsträger sowie die Prüfung zusätzlicher touristischer Anwendungsfälle.
Für weiterführende Informationen ist der Prototyp im aktuellen Stand im Bereich „Publikationen“ auf unserer Website verfügbar.
Text und Redaktion: Sina Heider

