Im Projekt DIANA-T entstehen derzeit vielfältige Prototypen, die zeigen, welches Potenzial in datenbasierten Anwendungen für den Tourismus steckt. Doch der Schritt von der technischen Entwicklung hin zu einer langfristig nutzbaren Lösung erfordert mehr als funktionierende Technologie.
Eine zentrale Frage rückt dabei in den Fokus: Wie lassen sich diese Ansätze in wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle überführen?
Genau hier setzen die entwickelten Geschäftsmodellskizzen an. Sie wurden von Anke Sange von der HNEE-Hochschule für nachhaltige Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit den Prototypenverantwortlichen aus dem Konsortium erarbeitet. Grundlage dafür bildeten die zuvor durchgeführte Marktanalyse, aus der zentrale Anforderungen, Potenziale und Rahmenbedingungen abgeleitet wurden.
Die Modelle zeigen auf, wie die Prototypen künftig betrieben, finanziert und weiterentwickelt werden könnten. Gleichzeitig machen sie sichtbar, welche Rollen unterschiedliche Akteur*innen – Von Datenbereitstellenden bis hin zu Nutzenden- in einem funktionierenden System einnehmen.
Das Projekt ist in seiner finalen Phase, die Prototypen sind entwickelt und befinden sich mittlerweile im Testing. Für eine projektübergreifende Nutzung des im Projekt gewonnenen Wissens ist es wichtig, die Prototypen nun selbstständig „lauffähig“ zu machen. Dafür brauchen wir auf dem Markt funktionierende Geschäftsmodelle.
- Anke Sange, HNEE – Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Dabei sind die Ansätze bewusst explorativ gehalten. Es handelt sich nicht um fertige Lösungen, sondern um konzeptionelle Denkmodelle, die verschiedene Wertschöpfungslogiken, Finanzierungsoptionen und Beteiligungsstrukturen durchspielen.
Dadurch wir deutlich, dass die Umsetzung datenbasierter Anwendungen nicht nur eine technische Aufgabe, sondern vor allem auch eine organisatorische und wirtschaftliche Herausforderung ist. Fragen nach Datenhoheit, Nutzung und Zahlungsbereitschaft stehen dabei im Zentrum:
Wer stellt Daten bereit? Wer nutzt sie? Und wer ist bereit, für welchen Mehrwert zu zahlen?
Spannend fand ich persönlich die Fragen der Skalierbarkeit. Sicher gibt es für Individuallösungen Ansätze, die im eins zu eins „unkomplizierter“ und „schneller“ funktionieren. Doch wollen wir uns unabhängig von amerikanischen Großkonzernen machen, ist es unumgänglich die Datenautonomie und Sicherheit im Großen zu denken. Dafür müssen wir kurzfristig den Mehraufwand für die Entwicklung unabhängiger Systeme in Kauf nehmen, um langfristig eine sichere Datenökonomie garantieren zu können.
- Anke Sange
Die entwickelten Modelle reichen von Software-as-a-Service-Ansätzen über Freemium-Modelle bis hin zu plattformbasierten Lösungen, die unterschiedliche Zielgruppen wie Destinationen, touristische Betriebe und Endkund*innen miteinander verbinden.
Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Prototypen: Sie übersetzen technische Möglichkeiten in konkrete Anwendungsszenarien und zeigen auf, unter welchen Bedingungen eine Skalierung gelingen kann.
Aus meiner Sicht braucht es vor allem den politischen Willen beim Thema ‚Digitalisierung in Deutschland‘ nicht immer nur hinterherziehen zu müssen, sondern proaktiv neue Lösungen zu gestalten. Dafür braucht es auch kreative Köpfe, die Lösungen schaffen, die wir als Endverbraucher*innen gerne mittragen, da sie zum einen einfach in der Anwendung sind und zum anderen reale Probleme lösen.
- Anke Sange
Gleichzeitig wird deutlich, dass zentrale Rahmenbedingungen noch nicht abschließend geklärt sind. Besonders im Kontext eines Datenraums zeigt sich: Dessen Aufbau und Betrieb müssen politisch gewollt und langfristig finanziell getragen werden, um tragfähig zu sein.
Im Projekt kommt eine Frage immer wieder auf: Wer finanziert den Datenraum? Wie bereits erwähnt, gäbe es für KMUs oft schnellere Direktlösungen. Die Anbindung über den Datenraum wird erst interessant, wenn dieser bereits funktionierend vorhanden ist und die eigene Dateninfrastruktur einfach angebunden werden kann. Diese Frage muss aus meiner Sicht politisch geklärt werden. Denn es geht hier um nichts weniger als die Datenautonomie Deutschlands.
- Anke Sange
Für Unternehmen und Destinationen bieten die Geschäftsmodelle damit vor allem eines: Orientierung. Sie machen sichtbar, wie datenbasierte Anwendungen wirtschaftlich gedacht werden können und liefern eine fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen und die Weiterentwicklung eigener Angebote.
Die Geschäftsmodelle finden sie im Bereich Publikationen
